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Anyar's Travels

Wherever I go, you may come along.

Libanon - ist da nicht Krieg? Ein Grabungsbericht
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Mauer-Fall

So langsam wird es mit den Funden: Auch in unserem Areal haben wir nun die interessanteren (d.h. älteren & ungestörten) Schichten erreicht und somit endlich etwas zu sammeln. Wie viel interessanter es doch ist, sich an einem Tag über die Bearbeitung von vier Steinen und den Fund vieler Händevoll Seepocken zu wundern, dreierlei Keramik unterscheiden zu lernen und sich mit acht kundigen Kollegen über fast so viele Sedimente auseinander zu setzen, als nur 25 Bodenverfärbungen zu dokumentieren, die Feuerstellen, aber genauso gut Hamsterheime sein könnten! Ach ja, hier macht prähistorische Archäologie doch etwas mehr her als zuhause...

Richtig einfach wird es aber dadurch nicht. Bei allen Kleinfunden haben wir in unseren zwei Quadranten nämlich hauptsächlich Mauern. Grundsätzlich gibt es solche mit und ohne Mörtel & Verputz, solche aus behauenen und unbehauenen Steinen, und solche, die sich nach Größe unterscheiden lassen. Die letztjährigen Ausgräber hatten, auf diesem eher kleinen Fundplatz und am landseitigen Ende (also abseits der Seebrise, wie wir täglich neu schwitzend erleben), ursprünglich auf einfache Wohnbebauung getippt, Handwerkerquartiere, irgendwelche Leute, die den „Palast“ an der Seeseite versorgten. Dann kamen im letzten Jahr, in der letzten Grabungswoche (dem für überraschende Funde üblichen Zeitpunkt), große behauene Steine zum Vorschein. „Zwei sind eine Mauer, drei sind ein Gebäude“, machen sich Archäologen über ihren eigenen Fundhunger gelegentlich lustig. Es ist eine gute Warnung vor Überinterpretation, aber in diesem Fall unnötig: Fünf Steine, behauen, mindestens 40x20x20 cm groß und in drei Lagen – das ist auf jeden Fall eine Mauer.

Jetzt wollen wir natürlich dringend wissen: Wo führt sie hin? Gibt's da irgendwo eine Ecke, die auf die Breite hinweist? Und sind noch mehr davon da?

In der Tat, der Mauern sind hier viele. Mit den Infos von oben könnte ihr ja jetzt sicher feststellen, was es mit diesen hier auf sich hat, oder?



Nicht?

Schade.

Wir nämlich auch nicht.

Mauern sehen sich, gerade wenn sie aus unbehauenen, unverputzten Steinen sind, durch die Jahrhunderte ziemlich ähnlich. Hangterrassen, Ziegenpferche, Parkplatzmauern... erst einmal kann es alles sein. Glücklicherweise gibt es ja ein wenig Kontext, zum Beispiel die Erdschichten, die eine Mauer abdecken und durch all die kleinen Funde, die wir daraus aufklauben, datiert sind.

Könnt ihr unsere Datierungshilfe entdecken?



Na ja, ich sehe ein, so ein Suchbild ist vielleicht ein wenig unfair.

Hier ist sie, freundlich aus einer vielversprechenden Ascheschicht ragend:


Griffansätze sind gut, weil Größe und Ansatzwinkel manchmal charakteristisch genug für eine zeitliche Einordnung sind. Und Ascheschichten sind gut, weil sie oft fundreich sind – ein Jahrtausende alter Müllplatz vielleicht, oder tatsächlich eine Brandstätte, aus der nichts mehr gerettet wurde. Außerdem erhalten sich verkohlte Samen besonders gut, die wir dann beim Aufschwemmen finden können.
Also wieder: Wasser marsch!


Libanon - ist da nicht Krieg? Ein Grabungsbericht
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Schätze der Bronzezeit

Wir haben eine Karneolperle gefunden! Lasst mich erzählen, was daran so toll ist. Karneol gibt es nicht im Libanon – es kommt aus Pakistan oder Indien oder über Ägypten oder... Jedenfalls von weit her. Das ist schon ein Handelskontakt, selbst wenn sie nicht auf direktem Wege gekommen ist. Und vor 4000 Jahren (hier beginnt die Bronzezeit ein klein wenig früher als in Nordeuropa) war das schon eine erhebliche Strecke.

Viel fröhlicher macht uns dieser Fund aber, weil er aus einem versiegelten Fundkontext stammt, also einem, der mit Sicherheit in eine bestimmte Zeit gehört und nicht später gestört wurde. Eines der Häuser, die wir untersuchen, hat erhaltene Fußböden, immer eine Lage über der anderen.

Die Schicht unseres Karneols ist eine der frühesten – EBA (Early Bronze Age). Es ist das erste Mal, dass eine solche Perle (und damit die Handelskontakte, die Art des Schmucks, die Herstellung) für diese Zeit zweifelsfrei belegt ist. Das ist nicht schlecht für eine Grabungsstelle, die auf den üblichen Karten von Levantegrabungen (Tyros! Sidon! Byblos!) gar nicht auftaucht, weil sie erst seit 2004 bekannt ist. Das war eines guten Tages Arbeit.

Gefunden haben wir sie aber gar nicht während der Grabung, sondern beim Aufschwemmen von Sedimentproben, die eigentlich verkohlte Pflanzenreste zum Vorschein bringen sollen. Weil ich ja kurze Einträge versprochen habe (und weil die Strandbar nicht eben unterstützend auf unsere kurzen Schlafphasen einwirkt), lasse ich euch einfach den Vorgang auf den Bildern selbst erkunden. Ihr wisst ja, wie ihr mich fragen könnt. :-)



Libanon - ist da nicht Krieg? Ein Grabungsbericht
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Was bisher geschah

Die Sache mit den Grabungen der vergangenen Jahre spare ich mir einfach, ja? Ihr könnt ja auf der Projektseite nachlesen – ein paar Veröffentlichungen gibt es. „Tell Fadous – Kfarbida“ heißt das Ding. Den Vornamen hat es nicht, weil hier Apfelbäume oder Holz für Armbrüste wüchsen. Ein „Tell“ ist in der nahöstlichen Archäologie ein Siedlungshügel. Als bei uns daheim die Römer erste vorsichtige Versuche machten, das Konzept „Steinhaus“ einzuführen, hatte man etwas weiter südlich in der Welt schon etwa zweitausend Jahre lang am gleichen Fleck verbracht und einfach immer oben drauf gebaut. Jetzt kommen wir und graben uns wieder runter.

Wie die Grabungsstätte dann weiter heißt, lässt sich dagegen nicht so genau sagen, weil zwei verfeindete Familien die Ehre für sich beanspruchen. Es entstand heftiger Streit darüber, wie der Grabungsplatz zu bezeichnen sei, was schon gelegentlich dazu geführt hat, dass die eine oder andere Partei nicht bereit war, sich mit den Aktionen in nächster Nachbarschaft zu beschäftigen. „Dahin gehen wir nicht, wenn das Fadous heißen soll“, rief Clan Kfarabida. „Auf keinen Fall setzen wir unseren Fuß dorthin, wenn es Kfarabida heißen soll, wo es doch von Rechts wegen unser Gebiet ist“, sprach dagegen mit Nachdruck Familie Fadous. Selbst der unermüdliche Grabungsleiter zeigte schließlich Abnutzungserscheinungen. „Kfarabida ist aber doch der offizielle Name des nächsten Dorfes. Der steht auch auf der Karte!“ „Aber nur, weil der Landvermesser ein Cousin von …“

Und so weiter.

Jetzt heißt der Grabungsplatz also offiziell beides, und alle offiziellen Teile des Teams balancieren konzentriert auf der Slackline dörflicher Empfindlichkeiten: beim letzten öffentlichen Bericht vor Ort haben sie es geschafft, in einer Stunde Vortrag den Namen des Projektstandortes nicht einmal zu erwähnen.

Beide vereint: „Ortsverwaltung Kfarabida“ ist im ersten Stock – über dem Laden des Michel Fadous.


Auch andere erstaunliche Verbindungen finden sich am Wegesrand:


Und sonst so? Unkraut jäten und Oberfläche befreien (1 Tag), Verfüllungen des letzten Jahres entfernen und Oberboden herunterarbeiten (ziemlich viele Tage). Immer mal wieder eine Keramikscherbe oder drei. Auch Knochen, aber die werden aus dem Oberboden nicht gesammelt. Der ist erstens durch Pflügen viel zu häufig umgedreht, um noch eine sichere Datierung abzugeben, und zweitens stammt das Knochenmaterial zu einem viel zu großen Teil von vielen kleinen Nagern.

Jetzt, in Woche zwei, wird es so langsam spannend. Ihr hört von mir.


Libanon - ist da nicht Krieg? Ein Grabungsbericht
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Am Anfang war...

das Unkraut. Also, natürlich nicht ganz am Anfang. Ganz am Anfang war... na ja, das wissen wir ja noch nicht so genau. Was hier mal war, liegt ja jetzt unter dem Unkraut, seit Jahren umgepflügter Ackerkrume, einigen ehemaligen Stellungen syrischer Panzer und diversen unidentifizierten Sedimentschichten.

Ein Teil von dem, was hier mal war, ist dafür vermutlich einfach weg – ein Opfer Rommels, sehr indirekt. Der war im Zweiten Weltkrieg in Afrika eine Weile sehr erfolgreich, was die in der hiesigen Gegend befindlichen Briten zu dem Gedanken veranlasste, sie könnten eine Nachschublinie ganz gut brauchen. Vielleicht auch eine Möglichkeit zu schnellem Rückzug. Das haben sie allerdings nicht ganz so laut gesagt.

Jedenfalls bauten sie 1942 hier die Küstenstraße und eine Bahnlinie, die jetzt direkt hinter dem Tell verläuft und zur Überwindung des Wadis im Norden einen Damm brauchte. Das Material dafür wiederum könnte durchaus von unserem Siedlungshügel stammen. Vielleicht hören die Besiedlungsspuren hier ja deshalb auf, bevor die Leute lernten, Eisen zu bearbeiten? Die umgebenden Siedlungen (Byblos ist die nächste) gehen einfach weiter.

Nun, wie sagt unser Grabungsdirektor tröstend, wenn wir mal wieder alle finden, die Archäologie hier gäbe keinen Sinn? „Let‘s see – we will find out.“


Gnalić 1583 - 2014
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25.7.2014

Nur ein Tauchgang heute, da wir heute noch abfahren und einige Höhenmeter überwinden werden. Wenn man nicht genügend Zeit verstreichen lässt, kann es dabei wegen des abnehmenden Luftdruckes immer noch sozusagen Dekompressionsunfälle geben.

Es ist ein etwas frustrierender Tag: Quadrant B 17 gibt immer noch nur Kiesel und Bleiweißbruch her, ich muss meinem Tauchpartner hinterher mit recht deutlichen Worten sagen, dass er bei Gelegenheit auch mal nicht nur auf sich selber achten könnte, und ein verabredeter Nachmittagseinsatz in "Labor" des Grabungshauses fällt ins Wasser, weil der Bootsführer unseres kleineren Taxibootes keine rechte Lust hat, die Fahrt nach Tkon zu machen, wie ich später erfahre.

Um 23 Uhr wollte das Team die Rückreise antreten, aber da wir schon recht früh mit Boot entladen und essen fertig sind, ist baldiger Abmarsch befohlen. In aller Eile essen, duschen, Tauchzeug waschen und packen, und dann sind wir ohne Umschweife auf dem Weg. Ich finde diese straffe Organisiertheit immer mal wieder etwas schade, aber ich war ja nicht zum Vergnügen hier und übernehme zudem keinen Fahrdienst.

Hoffentlich geht das Gnalić-Projekt im nächsten Jahr weiter – die Finanzierung ist immerhin für insgesamt drei Jahre gesichert.

Ob ich in der Zwischenzeit das Angebot annehme, wieder auf Zakinthos zu arbeiten? Ein Schiffswrack ungefähr gleicher Zeitstellung gibt es dort, in 10m Tiefe. Und die griechischen Inseln sind angenehm im Herbst. Hm...

Vielleicht also demnächst mehr an dieser Stelle. Auf Wiedersehen!

P.S.: Das ist gerade im Netz erschienen - gute Arbeit, Fabe, Javier und Ervin!!!


Gnalić 1583 - 2014
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24.7.2014

Ein Tag vor der wöchentlichen Photogrammetrie, also schaufeln wir uns im Eiltempo durch die Fundauflage, um möglichst viele Balken der Schiffskonstruktion sichtbar zu machen. Mein Tauchpartner erzeugt bedauerliche Sedimentwolken – es wäre bei aller Eile schon schön zu sehen, was man das so umeinanderwühlt. In unserem Quadranten sind es die üblichen Kiesel und Bruchstücke von Bleiweiß, dazu ein paar kleine Glasscherben und Perlen, die wir ignorieren. Das ist für unsere nicht-archäologischen Teamkollegen ungewohnt, nachdem sie sich doch gerade so schön die Sorgfalt am Objekt antrainiert hatten. Gelegentlich müssen Ausgräber aber eine Entscheidung darüber treffen, auf welche Fragen man eine Antwort sucht, und im Moment sind unsere Fragen an das Schiff selbst deutlich größer als an die hundertachtundzwanzigste Scherbe, auch wenn sie 500 Jahr alt ist.

Kein Weg führt dafür um das Quecksilber herum. In kleinen Perlen und Pfützen ist es über den ganzen Quadranten verteilt, und weil es so schwer ist, zieht das Saugrohr es auch nicht ganz auf. Man sammelt es also möglichst in einer kleinen Mulde, holt sich dann eines unserer Einmachgläser und eine große Spritze und zieht es mit einer schnellen Bewegung an. Bevor es sich besinnen kann, schnell die spritze umdrehen (sonst fällt es wieder heraus) und ab ins Glas damit. Deckel drauf, fertig. Die Spritze hängt mit einer Schnur am Glas fest und schwimmt auf – manchmal das Einzige, was von dem Sammelbehälter aus einer roten Sedimentwolke zu sehen ist.

Morgen ist mein letzter Tag hier. Wie immer habe ich mich gerade erst eingewöhnt. Was wäre das toll, wenn das hier richtige bezahlte Arbeit wäre!


Gnalić 1583 - 2014
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23.7.2014

Endlich neues Material! Wir sind gestern ganz gut vorangekommen, und haben eine Überraschung erlebt: was wir bisher für ein Holz der Außenwand hielten, könnte auch den Kiel darstellen. Die Maße passen, und außerdem haben sich zum ersten Mal größere Hölzer jenseits der nördlichen Grabungsgrenze gezeigt. Wir verfolgen sie nun entlang der bereits offenen Quadranten und suchen nach Verbindungen, die uns etwas über den ursprünglichen Winkel dieses Teils der Schiffswandung sagen können. Da sie beim Aufprall seinerzeit vielleicht auseinandergebrochen ist, können wir uns nicht auf die Winkel verlassen, die wir momentan messen können.

Auch der Rest der Fläche wird wieder interessanter. Mitten drin verbirgt noch Fundauflage die Konstruktion, und so bergen wir eifrig weiter Kleinfunde. Bei mir waren es heute die Reste eines Glasgefäßes, plattgedrückt und unansehnlich, aber das Sediment dazwischen sieht so aus als könnte es die ehemalige Füllung sein. Sie hat auf dem Glas bräunliche und schwefelgelbe Schlieren hinterlassen, die auch den Transport nach oben überstanden haben. Wie schade, dass ich die Laborproben nicht mehr mitbekommen werde!


Gnalić 1583 - 2014
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21.7.2014

Ein pannengeplagter Tag. Der Motor raucht wieder ungesund, und als der Käpt'n das Steuer an Fabe übergibt und in den Maschinenraum hinabsteigt, haben wir ein wachsames Auge darauf, dass er auch wieder hinaufgestiegen kommt.

Es regnet und windet bei unserer Ausfahrt, und die unerquicklichen Wetteraussichten werden erst in den Hintergrund gedrängt, als sich beim Ankermanöver das Seil um die Schraube legt. Dabei hat die sehr kundige studentische Projektleitung auf dem anderen Boot den noch schlechteren Teil: Sie muss aus sicherer Entfernung hilflos zusehen, wie der dameligere Teil der Mannschaft hier umeinander springt.

Die Sicht hat sich noch einmal verschlechtert, und auf 25m ist es richtig kalt (im Vergleicht zu anderen Tagen; die Bedingungen der Ostsee vergessen wir einfach mal). Das Saugrohr will einfach nicht richtig arbeiten und wickelt sich beständig um das Halteseil, und die erste Aktion des Tages besteht im Aufsammeln der Blei- und Bleiweißkegel, die in den letzten Tagen freigelegt wurden – nicht schwierig, aber auch nicht spannend.

Immerhin arbeiten wir uns so langsam in die Schiffskonstruktion hinein. Die inneren Planken sind an vielen Stellen freigelegt, wir sehen das "Skelett" des Schiffes darunter und können schon Abstände und Tiefen messen, die zur Bestimmung des Schiffstyps so wichtig sind. Was es ist was wir hier ausgraben können wir nämlich immer noch nicht sehen! Es gibt von einer "gagliana grossa" keine bekannten Konstruktionszeichnungen, und so können wir nicht einmal sagen, ob wir bisher den Kiel einfach noch nicht gefunden haben oder ob es sich am Ende sogar um ein flachbodiges Schiff handelt.

Nach allen diesen Unerfreulichkeiten erhellt plötzlich etwas den ganzen Tag: Delphine! Vier, fünf Tiere sind es, die rundrückig und ruhig am Schiff vorbeiziehen, in weniger als 10m Entfernung. Die ganze Mannschaft hängt über der Reling, um ihnen nachzuschauen. Als die nächste Schicht auftaucht, scheint auch wieder die Sonne.


Gnalić 1583 - 2014
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20.7.2014

Heute ist für uns Privilegierte tatsächlich ein freier Tag. (Die studentische Mannschaft in Tkon hat dort reichlich zu tun). Ich gehe ein wenig schwimmen und betrachte die unterwasserliche Konstruktion der Anleger, spaziere in unseren Nachbarort Betina und betrachte dort die Werft, in der eines der großen hölzernen Fischerschiffe der Region liegt (vorsichtshalber fotografiere ich es auch für unseren Schiffsrekonstrukteur Filipe von der Uni Texas A & M), trinke auf dem Marktplatz in Murter einen Eiskaffee und muss zu meinem Leidwesen die sockenbegrenzte Bräune eines nicht sehr modebewussten Herrn betrachten und entdecke auf dem Heimweg die Eissorte "Dalmacija": Mandel, Mandarine und Lavendel. Die betrachte ich nicht nur.

Ein friedlicher Tag – ich übergehe einfach die paar Übersetzungen, die interessante Kontaktaufnahme zum Manager einer Firma, die sich Übersetzungen ihrer Museumstouren wünscht und den freundlichen Kontakt zu dem kroatischen Ehepaar, dessen eine Hälfte aus Osnabrück stammt, sowie das Interview mit unserem ältesten Teilnehmer, der erst mit 58 Jahren seinen Tauchschein machte und dann 16 Jahre darauf wartete, auf diesem Projekt hier tauchen zu dürfen.


Gnalić - 1583 bis 2014
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18.7.2014

Fototag! Da wir morgen nicht tauchen und also theoretisch den ganzen Tag zur Verfügung haben, die Flaschen nachzufüllen, also nicht in der relativen Windeseile unseres Schiffes um 17 Uhr zurückstreben müssen, um den Kompressor...
Es ist so: Wir wohnen im Hause unseres Kapitäns, der auch, fast selbstverständlich hier, Zimmer an Touristen vermietet. Unsere Truppe hat das ganze Haus belegt. Das ganze? Nein! Ein paar Zimmer werden von Feriengästen bewohnt, die seltsamerweise nur wenig Vergnügen am Brummen unseres Kompressors haben. Vor allem, wenn das Brummen sich vereint mit dem Klingen von abgestellten Flaschen, ratternden Transportwägelchen und all den freudigen Geräuschen einer früh und noch nicht koffeinierten arbeitenden Gruppe. Schon mal gar nicht, wenn solches nach 22h geschieht, oder vor 8 Uhr morgens.

(Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch darauf hinweisen, dass es sich bei den Tanks, die wir zum Tauchen auf dem Rücken tragen, NICHT um Sauerstofffffffflaschen handelt! O2 ist nämlich giftig in höherer Konzentration – wir tauchen mit Luft.)

Jedenfalls können wir den Arbeitstag heute ausdehnen, und das ist auch nötig: der letzte Tag der Arbeitswoche „auf der Fläche“ ist der Photogrammetrie gewidmet. Einer nach dem Anderen sinken die Fotografen in die Tiefe, mit riesigen Kameras in fischäugigen Gehäusen, zwei starken Leuchten und jeder Menge Tauchdisziplin. Sie müssen gleichmäßigen Abstand vom Boden halten und sich sehr, sehr ruhig bewegen. Sie hängen weniger als einen Meter über der Grabungsfläche, und ein falscher Flossenschlag würde nicht nur Sediment aufwirbeln und die Sicht zu schlecht machen. Die leichten Hölzer der 500 Jahre alten Transportfässer des Schiffes würden ebenfalls wegschwimmen!

Fabe und Rodrigo lassen also die Beine abgewinkelt nach oben hängen und schwimmen mit ganz leichten, Froschbewegungen über die Fläche: von jedem Teil ein Fotos aus 90°, für spätere 3D-Bearbeitung außerdem vier Fotos aus 45°. Hin und zurück über jede Strecke, kreuz und quer über jede Strecke. Ihr Lotsenfisch von Buddy hängt noch einmal einen Meter über ihnen und passt auf, dass sie nicht vom Weg abkommen. Am späten Nachmittag ist alles „im Kasten“.

19.7.2014

Heute ist ein freier Tag, und deshalb machen wir uns erst eine stunden nach dem Frühstück auf nach Tkon, wo das eigentliche Grabungshaus steht. Die Gemeinde mit dem klingonischen Namen hat es dem Projekt zur Verfügung gestellt, und die studentische und wissenschaftliche Mannschaft (viele gehören beiden Gruppen an; hier wird am Objekt gelernt) hat sich häuslich eingerichtet.

Zwei Schlafzimmer mit Etagenbetten: sechs Studenten in dem einen, sechs Studentinnen in dem anderen. Die Wand des schmalen Flures hält über die ganze Fläche ein Bücherregal und zwei Arbeitsplätze, an denen die Funde in Datenbanken eingepflegt und auch die gestrigen Bilder in die Software gefüttert werden, die sie zu einem 3D-Modell zusammensetzen soll. (Dieses Modell ist absolut eingemessen, lässt sich also in eine Karte wie GoogleMaps einhängen. Außerdem kann es einem 3D-Drucker gefüttert werden, und solche Anwendungen finden nicht nur Archäologen aufregend.)

Eine Küche, ein (!) Bad, ein Raum mit rohen Wänden, der den Zeichentisch beherbergt, einen riesigen Ausdruck der Photogrammetrie vom letzten Jahr, und sämtliche Funde dieses Projektes (also bald dreier Kampagnen) in grauen Plastikboxen, alle sorgfältig vernummert. Ein Archiv gibt es noch nicht, aber große Pläne für ein späteres Museum.

Es ist selten und großartig, von einer Gemeinde auf diese Art unterstützt zu werden. Das Projekt scheint, wenn die Zusammenarbeit hält, hier erst einmal ein Zuhause gefunden zu haben.


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