frigate

Anyar's Travels

Wherever I go, you may come along.

Previous Entry Share Next Entry
Gnalić - 1583 bis 2014
frigate
anyarabroad

18.7.2014

Fototag! Da wir morgen nicht tauchen und also theoretisch den ganzen Tag zur Verfügung haben, die Flaschen nachzufüllen, also nicht in der relativen Windeseile unseres Schiffes um 17 Uhr zurückstreben müssen, um den Kompressor...
Es ist so: Wir wohnen im Hause unseres Kapitäns, der auch, fast selbstverständlich hier, Zimmer an Touristen vermietet. Unsere Truppe hat das ganze Haus belegt. Das ganze? Nein! Ein paar Zimmer werden von Feriengästen bewohnt, die seltsamerweise nur wenig Vergnügen am Brummen unseres Kompressors haben. Vor allem, wenn das Brummen sich vereint mit dem Klingen von abgestellten Flaschen, ratternden Transportwägelchen und all den freudigen Geräuschen einer früh und noch nicht koffeinierten arbeitenden Gruppe. Schon mal gar nicht, wenn solches nach 22h geschieht, oder vor 8 Uhr morgens.

(Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch darauf hinweisen, dass es sich bei den Tanks, die wir zum Tauchen auf dem Rücken tragen, NICHT um Sauerstofffffffflaschen handelt! O2 ist nämlich giftig in höherer Konzentration – wir tauchen mit Luft.)

Jedenfalls können wir den Arbeitstag heute ausdehnen, und das ist auch nötig: der letzte Tag der Arbeitswoche „auf der Fläche“ ist der Photogrammetrie gewidmet. Einer nach dem Anderen sinken die Fotografen in die Tiefe, mit riesigen Kameras in fischäugigen Gehäusen, zwei starken Leuchten und jeder Menge Tauchdisziplin. Sie müssen gleichmäßigen Abstand vom Boden halten und sich sehr, sehr ruhig bewegen. Sie hängen weniger als einen Meter über der Grabungsfläche, und ein falscher Flossenschlag würde nicht nur Sediment aufwirbeln und die Sicht zu schlecht machen. Die leichten Hölzer der 500 Jahre alten Transportfässer des Schiffes würden ebenfalls wegschwimmen!

Fabe und Rodrigo lassen also die Beine abgewinkelt nach oben hängen und schwimmen mit ganz leichten, Froschbewegungen über die Fläche: von jedem Teil ein Fotos aus 90°, für spätere 3D-Bearbeitung außerdem vier Fotos aus 45°. Hin und zurück über jede Strecke, kreuz und quer über jede Strecke. Ihr Lotsenfisch von Buddy hängt noch einmal einen Meter über ihnen und passt auf, dass sie nicht vom Weg abkommen. Am späten Nachmittag ist alles „im Kasten“.

19.7.2014

Heute ist ein freier Tag, und deshalb machen wir uns erst eine stunden nach dem Frühstück auf nach Tkon, wo das eigentliche Grabungshaus steht. Die Gemeinde mit dem klingonischen Namen hat es dem Projekt zur Verfügung gestellt, und die studentische und wissenschaftliche Mannschaft (viele gehören beiden Gruppen an; hier wird am Objekt gelernt) hat sich häuslich eingerichtet.

Zwei Schlafzimmer mit Etagenbetten: sechs Studenten in dem einen, sechs Studentinnen in dem anderen. Die Wand des schmalen Flures hält über die ganze Fläche ein Bücherregal und zwei Arbeitsplätze, an denen die Funde in Datenbanken eingepflegt und auch die gestrigen Bilder in die Software gefüttert werden, die sie zu einem 3D-Modell zusammensetzen soll. (Dieses Modell ist absolut eingemessen, lässt sich also in eine Karte wie GoogleMaps einhängen. Außerdem kann es einem 3D-Drucker gefüttert werden, und solche Anwendungen finden nicht nur Archäologen aufregend.)

Eine Küche, ein (!) Bad, ein Raum mit rohen Wänden, der den Zeichentisch beherbergt, einen riesigen Ausdruck der Photogrammetrie vom letzten Jahr, und sämtliche Funde dieses Projektes (also bald dreier Kampagnen) in grauen Plastikboxen, alle sorgfältig vernummert. Ein Archiv gibt es noch nicht, aber große Pläne für ein späteres Museum.

Es ist selten und großartig, von einer Gemeinde auf diese Art unterstützt zu werden. Das Projekt scheint, wenn die Zusammenarbeit hält, hier erst einmal ein Zuhause gefunden zu haben.


?

Log in

No account? Create an account