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Anyar's Travels

Wherever I go, you may come along.

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Gnalić 1583 - 2014
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24.7.2014

Ein Tag vor der wöchentlichen Photogrammetrie, also schaufeln wir uns im Eiltempo durch die Fundauflage, um möglichst viele Balken der Schiffskonstruktion sichtbar zu machen. Mein Tauchpartner erzeugt bedauerliche Sedimentwolken – es wäre bei aller Eile schon schön zu sehen, was man das so umeinanderwühlt. In unserem Quadranten sind es die üblichen Kiesel und Bruchstücke von Bleiweiß, dazu ein paar kleine Glasscherben und Perlen, die wir ignorieren. Das ist für unsere nicht-archäologischen Teamkollegen ungewohnt, nachdem sie sich doch gerade so schön die Sorgfalt am Objekt antrainiert hatten. Gelegentlich müssen Ausgräber aber eine Entscheidung darüber treffen, auf welche Fragen man eine Antwort sucht, und im Moment sind unsere Fragen an das Schiff selbst deutlich größer als an die hundertachtundzwanzigste Scherbe, auch wenn sie 500 Jahr alt ist.

Kein Weg führt dafür um das Quecksilber herum. In kleinen Perlen und Pfützen ist es über den ganzen Quadranten verteilt, und weil es so schwer ist, zieht das Saugrohr es auch nicht ganz auf. Man sammelt es also möglichst in einer kleinen Mulde, holt sich dann eines unserer Einmachgläser und eine große Spritze und zieht es mit einer schnellen Bewegung an. Bevor es sich besinnen kann, schnell die spritze umdrehen (sonst fällt es wieder heraus) und ab ins Glas damit. Deckel drauf, fertig. Die Spritze hängt mit einer Schnur am Glas fest und schwimmt auf – manchmal das Einzige, was von dem Sammelbehälter aus einer roten Sedimentwolke zu sehen ist.

Morgen ist mein letzter Tag hier. Wie immer habe ich mich gerade erst eingewöhnt. Was wäre das toll, wenn das hier richtige bezahlte Arbeit wäre!


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